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11. März 2010, 22:51:10
 
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Autor Thema: Jahresrückblick 2008  (Gelesen 614 mal)
Michael Jakob
Mutter Teresa des Poetry Slam
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WWMS


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« am: 05. Januar 2009, 16:20:26 »

Wer mag einen Jahresrückblick für 2008 machen? Was war toll, was nicht, persönliche Erfolge etc...? Ich mach dann auch noch was die Tage.
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Hanz
SlamLover
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« Antworten #1 am: 05. Januar 2009, 20:25:35 »

Ich schreibe einen Rückblick. Der ist allerdings nur persönlich. Wen's interessiert, kann's gerne lesen. Ich zwinge niemanden.

2008 war mein Slam-Jahr.
Im Dezember 2007 nahm mich mein älterer Bruder mit in die Rosenau nach Stuttgart. Er kannte den Slam dort schon länger und meinte, mir würde das sicherlich gefallen. Poetry Slam war bis dato überhaupt kein Begriff. Nach dem Slam sagte er, er wolle mich irgendwann mal auf der Bühne sehen und deutete nach vorne. Danach begann ich zu schreiben (auch, weil mir der Slam in der Rosenau sehr gut gefallen hat. Damals waren Sebastian 23 und Lars Ruppel da, die anderen weiß ich nicht mehr, kannte ja sowieso noch niemanden).
Am 26.01.2008 ging ich als Zuschauer zu meinem zweiten Slam - an meiner Hochschule. Als der Moderator am Ende des Slams fragte, ob noch jemand etwas spontan vortragen möchte, meldete ich mich, da ich einige Tage vorher einen Text geschrieben hatte ("Lebensweg einer Weizenpflanze" - haha, den kennt ihr alle gar nicht. Den habe ich schon seit Monaten nicht mehr gelesen). Mit diesem Text zog ich in's Finale ein und hatte natürlich (wie die meisten Rookies) keinen weiteren Text dabei. Nach einigem Hin und Her fand sich jemand mit einem Schlüssel zum Computerraum und ich druckte noch zwei kleinere Texte aus, die ich mal vermailt hatte und somit abrufen konnte - die kennt ihr auch nicht, les' ich aber auch nie wieder). Mit diesen Texten konnte ich den Slam gewinnen - und blieb dann natürlich dabei.
Davon beflügelt trat ich Anfang März in der Rosenau auf und kam mit Felix Römer (meine Gruppe) und Tobi Kunze (andere Gruppe) ins Finale. Tobi stampfte uns in Grund und Boden.
Zwei Tage später wurde dann gleich als featured zur Suttgarter Lesebühne 7PS eingeladen.
In den folgenden Monaten trat ich bei einigen Slams in und um Stutgart (Ludwigsburg, Tübingen) auf - mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Im März lernte ich bei einem Slam Alexander Willrich kennen (ich gewann, er wurde 2. - diejenigen, die uns kennen, finden das sicher so lustig wie ich selbst ;-) ) und wir freundeten uns an.
Ende Juli waren wir dann gemeinsam beim ersten Slam, der etwas weiter entfernt war: Konstanz. Das war natürlich aufregend und spannend, so als reisender Slammer mit Fahrtkostenerstattung und so :-). Es war ein lustiger Abend, 4er-Finale mit 3 Alex (Willrich, Burkhard, Gendlin) und Hanz. Der ordinäre Vorname musste sich dem, nur ordinär klingenden, Künstlernamen geschlagen geben.

Anfang September lernte ich dann erstmals, was es heißt, "reisender Slammer" zu sein und hatte fünf Auftritte in sechs Tagen (1. Berlin, 2. Potsdam, 3. Berlin, 4. Kulmbach, 5. Würzburg)
Beim 1. im Kato fiel das komplette Licht aus, ich las mit Feuerzeug weiter, Mikro ging noch)
Beim 4. in Kulmbach (das war der erste Slam dort, den eine Schülerin organisierte; der Lateinlehrer ist zwischendurch empört 'rausgegangen) gewann Björn Högsdal und bekam einen Pokal, auf dem "Slammaster des 1. Kulmbacher Poetry Slams" stand. Auch nicht schlecht :-)
Würzburg habe ich auch gut in Erinnerung. Da kam auch eine Referendarin von nem Gymnasium, mit der Alex und ich einen Workshop in ner 9. Klasse aufgezogen haben, mit abschließender sehr gut besuchter Abendveranstaltung.
Es folgten für mich einige weitere Slam-Erfolge, unter anderem in Niederlauer (Doppelsieg mit Clara Nielsen), beim miesesten Slam, auf dem ich je war: Es war ein Open Air (27.9.), auf dem Nachwuchs-Rock-Bands gespielt haben, auf dem keiner (!) Poetry Slam kannte, auf dem es gefühlte 2°C hatte und bei weitem nicht die erwartete Zuschauermenge. Die, die da waren, haben sich dafür unterhalten und einen Scheiß drauf gegeben, was der Slammer erzählte. Naja, saß dafür insgesamt ja nur knappe 10 Stunden im Zug.
Einen meiner größten Erfolge hatte ich im Oktober in der Rosenau. Dort erreichte ich das Finale (weiter kam ich in der Rosenau noch nie) mit Magnus Großmann und Lars Ruppel. Das für mich Besondere war aber, dass ich in der ersten Vorrunde startete, nach einem (wie gewohnt genialen) Opferlamm Scharris auf die 1 gelost wurde und die Runde gewann, die noch aus Matze B., Sebastian 23, Nils Heinrich und zwei Locals bestand.
Am 10.10. wurde ich Opfer der Weltwirtschaftskrise: Björn Högsdal sagte mir, Kuttner würde die 2. Staffel drehen, beginnend mit seinem Slam in Kiel. Er würde mich gerne dabei haben, hätte aber nur 50 Euro, die er mir geben könnte. Das konnte ich mir natürlich trotzdem nicht entgehen lassen (Rampensau) und buchte meinen Flug nach Hamburg (wenn, dann richtig dekadent!). Einen Tag nach der Buchung rief Björn an, meinte SAT1.Comedy, für die Kuttner dreht, hätte amerikanische Investoren, die keine Kohle mehr hätten, usw. Ergo: Kuttner is nich. Ich bin trotzdem hingeflogen, verbrachte den Tag in HH (hab's endlich geschafft, über die Herbertstraße zu flanieren - kann ich nicht wirklich empfehlen. Außer man hat viel Geld und scheißt auf Moral! [ach, da geh' ich bestimmt mal wieder hin!]) und habe abends in Kiel geslammt. Das war etwas merkwürdig, da wir in einem 4er-Finale (mit Deanna Roger [englische Championesse], Sebastian 23 und Morten von Holdt) 3 Mal dieselbe Punktzahl hatten, dann Morten kam, meinte, er wolle außer Konkurrenz auftreten und einen Text lesen, den er vier Wochen vorher schon brachte. Danach wollte Björn trotzdem seine Punkte wissen - er hat dann gewonnen :-)
Am nächsten Tag ging's dann wieder nach Hamburg, von dort weiter mit der Mitfahrzentrale nach Mannheim, mit dem Zug nach Heidelberg und dort am Abend slammen. War ein cooler Slam mit ca. 400 Leuten (und unsere Schulklasse, bei der wir den Workshop gemacht haben, war am Start).
Der nächste Slam sollte "der schlimmste [Fehler] meines Lebens" werden. Wir (wie fast immer mit Alex) waren in Frankfurt, ich kam nach Sebastian 23, der derbe gerockt hat und las "Diät". Es kam Null Resonanz vom Publikum und ich habe mich nie so unwohl auf einer Bühne gefühlt wie an diesem Abend. Ganz böse!
Danach kamen Karlsruhe, Schweinfurt, Ansbach, die mich allesamt wieder aufbauten :-)
10 Tage vor den "Nationals" rief mich dann Björn an und meinte, er hätte einen Ausfall und würde mich gerne für Kiel hinschicken. Das war natürlich das Beste, was mir slamtechnisch passieren konnte und so fuhr ich mit "den ganzen kranken Franken" nach Zürich, hatte vier sehr geile Tage (und vor allem Nächte).
Im Dezember ging's dann nochmal rund, ich besuchte in zehn Tagen Slams, Open Stages, Lesebühnen und gab einen Workshop an einer (anderen) Schule. Nach dieser Tour (die nicht mal eine Tour war, denn ich bin jedes Mal wieder von zuhause aus gestartet, war morgens teilweise noch an der Uni), die mich in Städte wie Mainz, Fürth, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Heilbronn, Freiburg, usw. brachte, ließ ich das Jahr ab dem 18.12. slammäßig ruhig ausklingen. Das war auch gut so, denn gegen Ende war es doch ziemlich anstregend.
Jetzt fiebere ich aber schon dem nächsten Slam am Freitag (Nürnberg) entgegen und habe es gestern in der Rosenau sehr bedauert, dass ich dort schon alles gelesen habe und nur Zuschauer sein konnte).

Das Jahr 2008 war definitv mein Slam-Jahr, es ging ziemlich gut ab, ich habe neun meiner letzten 16 Slams gewonnen. Besser hätte ich es mir nicht erträumen können. Ich habe sehr viele nette und liebe Menschen kennen gelernt, Städte besichtigt und eine geile Zeit gehabt.
Danke an alle, die daran beteiligt waren!
(Genug der Selbstbeweihräucherung)

Liebe Grüße
Hanz
« Letzte Änderung: 05. Januar 2009, 20:40:36 von Hanz » Gespeichert

Parkster
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« Antworten #2 am: 06. Januar 2009, 00:03:03 »

Schöner Rückblick... 5 Slams in sechs Tagen, das nenn ich strammes Programm. Ich versuch das mal im Februar zu toppen! Zwinkernd
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Beim Tanzen von Namen kann es schonmal zu Missverständnissen kommen...

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critter
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« Antworten #3 am: 06. Januar 2009, 03:46:41 »

Hab mir das jetzt nicht durchgelesen. Wollte nur anmerken, dass "Jahresrückblick" ganz knapp hinter "Bout Manager" meine innere Wahl zum Unwort des Jahres mitgewonnen hat. Beim Wort des Jahres ist "Aubergine/Oberschiene" ganz vorne dabei.
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Michael Jakob
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WWMS


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« Antworten #4 am: 06. Februar 2009, 11:06:40 »

Oh-oh. Da starte ich ein Thema und stelle fest, dass ich selbst noch gar nüschd dazu gesachd habe...

also: Michls Slam-Jahr 2008:
Nach der Hammer-Tour in 2007 mit über 50 Slam-Auftritten und 30 Moderationen sollte es 2008 etwas ruhiger werden. Habe das auch einigermaßen durchgehalten. Zu Jahresbeginn eine Super-Serie, deren Höhepunkt 9 Siege aus 10 Teilnahmen war (das eine Mal Nicht-Sieg hatte ich die Texte vergessen, kein Witz). Insgesamt waren es 37 Teilnahmen, davon allerdings 8 als Team. Ja Team. Das war toll! Nach Jahren der Suche hat Michl endlich einen Teampartner gefunden und wir waren richtig produktiv. Mittlerweile haben wir ein Repertoire von acht Team-Texten, mehr als mancher Solo-Slammer. Von den bisher 9 Teilnahmen sind wir mit 4 Siegen herausgekommen. Auch das eine tolle Sache. Neu hinzu kamen für mich auch die Moderationen von Liedermacher und Impro-Slams, auch ein paar spannende Formate.

Größte Erfolge: Der Sieg beim Highlander in Würzburg und in Weißenburg. Das erneute Erreichen des Halbfinals bei den deutschen Meisterschaften und nur 0,9 Punkte am Finale vorbeigeschrammt und natürlich der Auftritt (und Doppelsieg mit Lars Ruppel) beim WDR Peotry Slam. Lang gewünschte Erfolge: Würzburg gewonnen und Erlangen. Endlich Erlangen! 15 Teilnahmen seit 2004, unglaublich oft als Zweiter in der Vorrunde gegen den späteren Sieger ausgeschieden, drei Mal im Finale gestanden und nie was geholt und dann: Im Mai hat es endlich geklappt!

Kreative Schübe: Noch nie habe ich so viele (Slam-)Texte geschrieben wie 2008. "Irgendwo ist immer ein Haken", "Da draußen", "Der Hobbygärtner", "Mehr Schuhe!", "Einzelschicksale", "Papier ist geduldig", "Ode an die Namenlosen", "Insel des Glücks", "Verschiedene Arten", "Flocke muss sterben", "Zwanghaft in der Zugtoilette", "Enttäuschungen verarbeiten", "Das Lied des Krieges" und dann noch die ganzen Team-Texte. Da ist noch viel Potenzial, um die nächste Zeit auf Slams aufzutreten. Mit "Irgendwo ist immer ein Haken" gelang mir sogar ein Burner-Text, wie "Tofu" oder "Noch Fragen Kienzle", mit "Da draußen" ein emotionaler Rundumschlag im Stile von "Abschied" nur viel, viel lauter...

Neue Erfahrungen: Das Spiel mit Emotionen. Obwohl ich ja dafür bekannt bin eher lustige Texte zu schreiben (was eigentlich gar nicht stimmt, die Quote liegt bei 50%), habe ich ab dem Highlander Würzburg eher die ernsteren Töne angeschlagen. Auch richtig dahin gedrückt wo es weh tut. Auch Stille ist eine schöne Publikumsreaktion, leider bestätigt sich das alte Gerücht, dass mit ernsten Texten fast nichts zu holen ist. Ab und zu klappt es natürlich, das ist dann um so schöner, aber so viel zweite Plätze wie im zweiten Halbjahr hatte Michl noch nie... Und die Gewissheit mit einem lustigen Text das Finale beim Slam2008 wohl erreicht zu haben, bleibt auch. Ob so eine Chance wieder kommt?

Egal. Nach der Sinn-Krise Anfang April 2008 ist Michl 2009 wieder richtig heiß. Mit Schwabach gibt es eine schöne Spielwiese, um alles möglich auszuprobieren und olle Kamellen rauszuhauen. Am 3.4. geht es nach Darmstadt zum größten Poetry Slam Europas, wo Michl nach einem zweiten und einem ersten Platz diesmal erstmals unter Druck steht und Anfang März geht es mal wieder nach Berlin. Die großen Slams sind es, die Michl heuer reizen, denn das Rumgegurke mit der Bahn macht einfach keinen Spaß mehr... Außer Schwabach. Da sinds ja nur 10 Minuten hin. Autofahren ist nämlich viel witziger. Ich sach nur: Gögingen. Ach ja, da bin ich jetzt König von. Zum dritten Mal in Folge gewann ich einen Slam an meinem Geburtstag! Damit beschenke ich mich immer selbst ;-)

Ziele für 2009: Den neuen Gedichtband herausbringen, im zweiten Teil der "Schlecher Sex"-Anthologie veröffentlichen, einen Solo-Startplatz bei den deutschen Meisterschaften ergattern, den Frankenslam gewinnen und spätestens im Dezember den 50. Solo-Slam-Sieg feiern. Und viel Spaß mit den anderen Slammern haben, neue Leute kennen lernen und auch weiterhin fleißig Texte produzieren. Keine blutigen Beulen mehr auf die Stirn zaubern, weil man die Performance zu ernst nimmt. Und endlich mal gegen Lars Ruppel gewinnen, statt immer nur Doppelsiege. Aber das ist eher Nebensache.

So, will noch jeamand, bevor das Jahr rum ist?
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