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« Antworten #1 am: 05. Januar 2009, 20:25:35 » |
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Ich schreibe einen Rückblick. Der ist allerdings nur persönlich. Wen's interessiert, kann's gerne lesen. Ich zwinge niemanden.
2008 war mein Slam-Jahr. Im Dezember 2007 nahm mich mein älterer Bruder mit in die Rosenau nach Stuttgart. Er kannte den Slam dort schon länger und meinte, mir würde das sicherlich gefallen. Poetry Slam war bis dato überhaupt kein Begriff. Nach dem Slam sagte er, er wolle mich irgendwann mal auf der Bühne sehen und deutete nach vorne. Danach begann ich zu schreiben (auch, weil mir der Slam in der Rosenau sehr gut gefallen hat. Damals waren Sebastian 23 und Lars Ruppel da, die anderen weiß ich nicht mehr, kannte ja sowieso noch niemanden). Am 26.01.2008 ging ich als Zuschauer zu meinem zweiten Slam - an meiner Hochschule. Als der Moderator am Ende des Slams fragte, ob noch jemand etwas spontan vortragen möchte, meldete ich mich, da ich einige Tage vorher einen Text geschrieben hatte ("Lebensweg einer Weizenpflanze" - haha, den kennt ihr alle gar nicht. Den habe ich schon seit Monaten nicht mehr gelesen). Mit diesem Text zog ich in's Finale ein und hatte natürlich (wie die meisten Rookies) keinen weiteren Text dabei. Nach einigem Hin und Her fand sich jemand mit einem Schlüssel zum Computerraum und ich druckte noch zwei kleinere Texte aus, die ich mal vermailt hatte und somit abrufen konnte - die kennt ihr auch nicht, les' ich aber auch nie wieder). Mit diesen Texten konnte ich den Slam gewinnen - und blieb dann natürlich dabei. Davon beflügelt trat ich Anfang März in der Rosenau auf und kam mit Felix Römer (meine Gruppe) und Tobi Kunze (andere Gruppe) ins Finale. Tobi stampfte uns in Grund und Boden. Zwei Tage später wurde dann gleich als featured zur Suttgarter Lesebühne 7PS eingeladen. In den folgenden Monaten trat ich bei einigen Slams in und um Stutgart (Ludwigsburg, Tübingen) auf - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Im März lernte ich bei einem Slam Alexander Willrich kennen (ich gewann, er wurde 2. - diejenigen, die uns kennen, finden das sicher so lustig wie ich selbst ;-) ) und wir freundeten uns an. Ende Juli waren wir dann gemeinsam beim ersten Slam, der etwas weiter entfernt war: Konstanz. Das war natürlich aufregend und spannend, so als reisender Slammer mit Fahrtkostenerstattung und so :-). Es war ein lustiger Abend, 4er-Finale mit 3 Alex (Willrich, Burkhard, Gendlin) und Hanz. Der ordinäre Vorname musste sich dem, nur ordinär klingenden, Künstlernamen geschlagen geben.
Anfang September lernte ich dann erstmals, was es heißt, "reisender Slammer" zu sein und hatte fünf Auftritte in sechs Tagen (1. Berlin, 2. Potsdam, 3. Berlin, 4. Kulmbach, 5. Würzburg) Beim 1. im Kato fiel das komplette Licht aus, ich las mit Feuerzeug weiter, Mikro ging noch) Beim 4. in Kulmbach (das war der erste Slam dort, den eine Schülerin organisierte; der Lateinlehrer ist zwischendurch empört 'rausgegangen) gewann Björn Högsdal und bekam einen Pokal, auf dem "Slammaster des 1. Kulmbacher Poetry Slams" stand. Auch nicht schlecht :-) Würzburg habe ich auch gut in Erinnerung. Da kam auch eine Referendarin von nem Gymnasium, mit der Alex und ich einen Workshop in ner 9. Klasse aufgezogen haben, mit abschließender sehr gut besuchter Abendveranstaltung. Es folgten für mich einige weitere Slam-Erfolge, unter anderem in Niederlauer (Doppelsieg mit Clara Nielsen), beim miesesten Slam, auf dem ich je war: Es war ein Open Air (27.9.), auf dem Nachwuchs-Rock-Bands gespielt haben, auf dem keiner (!) Poetry Slam kannte, auf dem es gefühlte 2°C hatte und bei weitem nicht die erwartete Zuschauermenge. Die, die da waren, haben sich dafür unterhalten und einen Scheiß drauf gegeben, was der Slammer erzählte. Naja, saß dafür insgesamt ja nur knappe 10 Stunden im Zug. Einen meiner größten Erfolge hatte ich im Oktober in der Rosenau. Dort erreichte ich das Finale (weiter kam ich in der Rosenau noch nie) mit Magnus Großmann und Lars Ruppel. Das für mich Besondere war aber, dass ich in der ersten Vorrunde startete, nach einem (wie gewohnt genialen) Opferlamm Scharris auf die 1 gelost wurde und die Runde gewann, die noch aus Matze B., Sebastian 23, Nils Heinrich und zwei Locals bestand. Am 10.10. wurde ich Opfer der Weltwirtschaftskrise: Björn Högsdal sagte mir, Kuttner würde die 2. Staffel drehen, beginnend mit seinem Slam in Kiel. Er würde mich gerne dabei haben, hätte aber nur 50 Euro, die er mir geben könnte. Das konnte ich mir natürlich trotzdem nicht entgehen lassen (Rampensau) und buchte meinen Flug nach Hamburg (wenn, dann richtig dekadent!). Einen Tag nach der Buchung rief Björn an, meinte SAT1.Comedy, für die Kuttner dreht, hätte amerikanische Investoren, die keine Kohle mehr hätten, usw. Ergo: Kuttner is nich. Ich bin trotzdem hingeflogen, verbrachte den Tag in HH (hab's endlich geschafft, über die Herbertstraße zu flanieren - kann ich nicht wirklich empfehlen. Außer man hat viel Geld und scheißt auf Moral! [ach, da geh' ich bestimmt mal wieder hin!]) und habe abends in Kiel geslammt. Das war etwas merkwürdig, da wir in einem 4er-Finale (mit Deanna Roger [englische Championesse], Sebastian 23 und Morten von Holdt) 3 Mal dieselbe Punktzahl hatten, dann Morten kam, meinte, er wolle außer Konkurrenz auftreten und einen Text lesen, den er vier Wochen vorher schon brachte. Danach wollte Björn trotzdem seine Punkte wissen - er hat dann gewonnen :-) Am nächsten Tag ging's dann wieder nach Hamburg, von dort weiter mit der Mitfahrzentrale nach Mannheim, mit dem Zug nach Heidelberg und dort am Abend slammen. War ein cooler Slam mit ca. 400 Leuten (und unsere Schulklasse, bei der wir den Workshop gemacht haben, war am Start). Der nächste Slam sollte "der schlimmste [Fehler] meines Lebens" werden. Wir (wie fast immer mit Alex) waren in Frankfurt, ich kam nach Sebastian 23, der derbe gerockt hat und las "Diät". Es kam Null Resonanz vom Publikum und ich habe mich nie so unwohl auf einer Bühne gefühlt wie an diesem Abend. Ganz böse! Danach kamen Karlsruhe, Schweinfurt, Ansbach, die mich allesamt wieder aufbauten :-) 10 Tage vor den "Nationals" rief mich dann Björn an und meinte, er hätte einen Ausfall und würde mich gerne für Kiel hinschicken. Das war natürlich das Beste, was mir slamtechnisch passieren konnte und so fuhr ich mit "den ganzen kranken Franken" nach Zürich, hatte vier sehr geile Tage (und vor allem Nächte). Im Dezember ging's dann nochmal rund, ich besuchte in zehn Tagen Slams, Open Stages, Lesebühnen und gab einen Workshop an einer (anderen) Schule. Nach dieser Tour (die nicht mal eine Tour war, denn ich bin jedes Mal wieder von zuhause aus gestartet, war morgens teilweise noch an der Uni), die mich in Städte wie Mainz, Fürth, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Heilbronn, Freiburg, usw. brachte, ließ ich das Jahr ab dem 18.12. slammäßig ruhig ausklingen. Das war auch gut so, denn gegen Ende war es doch ziemlich anstregend. Jetzt fiebere ich aber schon dem nächsten Slam am Freitag (Nürnberg) entgegen und habe es gestern in der Rosenau sehr bedauert, dass ich dort schon alles gelesen habe und nur Zuschauer sein konnte).
Das Jahr 2008 war definitv mein Slam-Jahr, es ging ziemlich gut ab, ich habe neun meiner letzten 16 Slams gewonnen. Besser hätte ich es mir nicht erträumen können. Ich habe sehr viele nette und liebe Menschen kennen gelernt, Städte besichtigt und eine geile Zeit gehabt. Danke an alle, die daran beteiligt waren! (Genug der Selbstbeweihräucherung)
Liebe Grüße Hanz
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